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Januar 2023 – Reinekes hohe Zeit

von | Jan 17, 2023 | Jagd-Blog

Reinekes hohe Zeit

Vorab wünscht das Team der Jagdschule W.&O. Dittmann euch allen nochmals alles Gute, stets reichen Anblick und viel Waidmannsheil für das neue Jahr 2023. So viel Zeit muss sein!

Zum Thema: Von wenigen Ausnahmen abgesehen, ranzen Füchse in Mitteleuropa grob gefasst von Ende Dezember bis Mitte Februar. Einerseits eine relativ lange Zeit, andererseits geben uns die Rotröcke noch immer einige Rätsel hinsichtlich ihrer alljährlichen Fortpflanzung auf. Denn auch bei der Fuchsranz scheint – wie so oft in der Wildbiologie – kaum etwas in Stein gemeißelt zu sein …

Reineke wird im Alter von etwa 9 bis 10 Monaten geschlechtsreif. Da die Hauptwurfzeit in unseren Breiten in die erste Aprilhälfte fällt, kann sich der ganz überwiegende Teil der einjährigen Rüden und Fähen theoretisch an der auf ihr Geburtsjahr folgenden Ranz beteiligen. Die potenziellen Fortpflanzungspartner finden sich primär über Duftlockstoffe (Sexualpheromone, Harnmarken) der Fähen zusammen, die seitens der Rüden selbst über Kilometer wahrgenommen werden können. Suchende Rüden versuchen darüber hinaus, über das fuchstypische und relativ monotone „heisere Bellen“ Kontakt mit den Fähen aufzunehmen.

Füchse haben einen monoöstrischen Fortpflanzungszyklus. Die Rüden sind dabei von Ende November / Anfang Dezember bis etwa Anfang März befruchtungsfähig. Der eigentliche Östrus der Fähen dauert dagegen nur etwa zwei bis drei Tage. Nur in diesem kurzen Zeitfenster ist eine weitgehend sichere Befruchtung der Eizellen gewährleistet. Dem voraus geht eine etwa zehntägige Vorranz (Proöstrus). In dieser Zeit werden „allzu ungestüme“ Rüden von der Fähe noch abgewiesen. Trotzdem weichen die Rüden ihren prospektiven Partnerinnen schon jetzt kaum noch von der Seite. Der Kopulation folgt das durchschnittlich etwa 20 bis 30 Minuten dauernde, durch eine Penisschwellung verursachte und hundetypische „Hängen“. Ein Segment des Paarungsverhaltens, was unter sämtlichen Raubwildarten nur bei den Hunden (Caniden) beobachtet werden kann.

Allerdings locken „läufige“ Fähen über ihre Sexualduftstoffe regelmäßig mehr als einen Rüden an. Je nach Wilddichte, Alters- und Sozialstruktur der Populationen kann es dabei zu heftigen Beißereien zwischen etwa gleichstarken Rüden mit ernsthaften Verletzungen kommen. Eine Auswahl der Rüden seitens der Fähen erfolgt offenbar nicht.

So schildert z. B. Labhard (1990) eine Freilandbeobachtung, in der sich eine Fähe von drei verschiedenen Rüden unmittelbar nacheinander begatten ließ. Die Ergebnisse anderer Untersuchungen bestätigen ebenfalls, dass es in kurzer Folge zu Kopulationen mit mehreren Rüden kommen kann. Was wiederum zeigt, dass die Welpen eines Wurfes durchaus verschiedene Väter haben können. So gibt es „den vermeintlich monogamen Rüden“, der sich scheinbar fürsorglich an der Versorgung der Welpen mit Nahrung beteiligt, im Zweifel gar nicht. Es ist dann lediglich „ein Rüde“, welcher auch immer – wenn überhaupt! Denn welche Rüden die sich anschließende, etwa 51 bis 53 tägige Tragzeit der Fähen überleben, wissen wir nicht. Die Mortalität z. B. durch den Straßenverkehr oder die Bau- und Ansitzjagd ist hoch… Munter bleiben! AD

(Fortsetzung folgt in den Natur-News zum Februar)